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Leben · Satire · SeitenhiebeVon Dani Lemonade

28. Oktober 2026

Pass ungültig. Willkommen in Florida.

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Flávio Bolsonaro sollte seine Pässe abgeben. Gegen ihn wird unter anderem wegen des Verdachts auf Geldwäsche ermittelt. Er bestreitet die Vorwürfe. Nach seiner Ausreise wurden seine brasilianischen Pässe annulliert. Die US-Regierung kündigte Visa für ihn und seine Familie an.

Da sitzt man als gewöhnlicher Mensch und fragt sich: Warum scheitere ich eigentlich schon daran, bei einer Flugbuchung meinen zweiten Vornamen nachzutragen?

Bei uns reicht ein falscher Buchstabe, und eine Mitarbeiterin am Schalter behandelt einen, als hätte man versucht, den Flughafen zu annektieren.

„Auf dem Ticket steht Dani. Im Pass Daniela.“

Ja. Erschütternd. Verständigen Sie Interpol.

Bei politisch gut vernetzten Menschen scheint das etwas entspannter zu laufen.

„Mit meinem Pass gibt es Schwierigkeiten.“
„Welche Schwierigkeiten?“
„Die Justiz möchte ihn.“
„Verstehe. Fenster oder Gang?“

Und natürlich geht es nach Florida.

Wohin auch sonst? Florida entwickelt sich zunehmend zum betreuten Wohnen für Männer, die Wahlergebnisse grundsätzlich akzeptieren, sofern sie gewinnen.

Die Bolsonaro-Familie könnte langsam eine Stempelkarte beantragen.

Nach der fünften demokratischen Zumutung gibt es einen kostenlosen Flughafentransfer.

Mich beeindruckt dabei vor allem die Flexibilität der amerikanischen Einwanderungsdebatte.

Sonst wird ja Wert auf ordentliche Dokumente gelegt. Sehr viel Wert. Da werden Menschen überprüft, befragt und verdächtigt, weil sie ihren Cousin zweimal besucht haben.

Zweimal!

Was ist das für ein Cousin? Warum lebt der noch dort? Und weshalb hat der Reisende keine Kontoauszüge seiner Großmutter dabei?

Aber offenbar fehlt uns normalen Menschen beim Visumantrag einfach die richtige Auswahlmöglichkeit.

Reisezweck:
Urlaub.
Geschäftlich.
Ich kenne Donald.

Beim dritten Kästchen fährt eine kleine goldene Rolltreppe aus dem Boden.

Selbstverständlich beweist ein Ermittlungsverfahren keine Schuld. Bolsonaro bestreitet die Vorwürfe.

Aber wenn ein Gericht sagt: „Bitte geben Sie Ihre Pässe ab“, ist eine Reise nach Miami schon eine bemerkenswert kreative Form der Zusammenarbeit.

Ich hätte vermutlich einen Umschlag gesucht.

Andere suchen einen Privatjet.

Das ist der Unterschied zwischen uns und denen: Wir lesen „Unterlagen einreichen“ und denken an einen Drucker. Die denken an die Reichweite einer Gulfstream.

Und dann dieses Weiße Haus als Empfangskomitee.

Geldwäscheverdacht? Ach.

Vielleicht klingt das dort inzwischen einfach nach einer haushaltsnahen Dienstleistung.

„Herr Präsident, es gibt Fragen zur Herkunft des Geldes.“

„Hat schon jemand geprüft, ob wir darauf unseren Namen drucken können?“

Man stellt sich das Willkommenspaket vor: Sonnencreme, Golfbälle und ein besticktes Handtuch mit der Aufschrift:

VERANTWORTUNG IST FÜR ANDERE.

Mich beruhigt das übrigens ungemein.

Ich dachte bisher, die Reichen leben auf einem anderen Planeten.

Tun sie gar nicht.

Gleicher Planet. Andere Bordkarte.

America First. Für Konsequenzen wenden Sie sich bitte an Ihr Herkunftsland.

Pass ungültig. Willkommen in Florida. — Deutscher satirischer Comic

Hintergrund: Reuters and CNN. Politische Satire und Kommentar.

Die Zitrone weiterreichen.

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