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Leben · Satire · SeitenhiebeVon Dani Lemonade

23. Oktober 2026

Alles Tricks, keine Treats: Ein Pflasterstein ist kein Argument

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Erdachte Noir-Satire: GenZ regelt, Die Linke und ein Polizeipferd in Schutzausrüstung — Nicht mein Vibe!

Meinung · 23. Oktober 2026

Früher bedeutete Halloween: Kinder verkleiden sich als Monster und verlangen Süßigkeiten. Dieses Jahr fürchte ich, dass Erwachsene eine bessere Gesellschaft verlangen und dabei die vorhandene erst einmal deutlich brennbarer machen.

Für den 31. Oktober sind unter dem Motto „Gen Z regelt“ Proteste in zahlreichen deutschen Städten angekündigt. Es geht unter anderem um bessere Bildung, ein bezahlbares Leben und die Ablehnung der Wehrpflicht. Die Linke unterstützt die Proteste. Polizeivertreter warnen davor, dass Extremisten die Demonstrationen vereinnahmen könnten. [1–3]

Diese Forderungen verdienen Gehör. Auch ich hätte gern funktionierende öffentliche Einrichtungen und eine Zukunft, die nicht direkt mit einer Mahnung geliefert wird.

Was ich nicht brauche, ist das Halloween-Sonderprogramm, bei dem jemand beschließt, dass der Kleinwagen eines Fremden persönlich am Kapitalismus schuld ist.

Damit das gleich geklärt ist: Die Organisatoren lehnen Gewalt, Zerstörung, Feuerwerk und Provokationen gegenüber der Polizei ausdrücklich ab. Gut. Das gehört zur Geschichte. Es muss dann allerdings auch auf der Straße gelten. [1]

Meine Sorge gilt den Leuten, die möglicherweise dazukommen, weil ihnen die Forderungen scheißegal sind, ein Wurfgeschoss in Richtung Helm aber durchaus zusagt.

Denn ein Pflasterstein ist kein Argument. Es ist ein verdammter Pflasterstein.

Er wird auch nicht zur Gesellschaftstheorie, wenn der Werfer anschließend einen besonders langen Vortrag über strukturelle Ungleichheit hält. Er trifft immer noch einen Menschen.

Ich beneide keinen Polizisten, der da möglicherweise stehen muss: das Demonstrationsrecht schützen und gleichzeitig herausfinden, wer davon Gebrauch macht und wer schwere Kopfverletzungen für politische Teilhabe hält.

Würde ich meiner eigenen Selbstbeherrschung vertrauen, wenn mich jemand anspuckt und mit Feuerwerk bewirft? Ganz sicher nicht. Genau deshalb schreibe ich diesen Text mit einem Glas Wein, statt mich bei der Bereitschaftspolizei zu bewerben.

Polizisten brauchen Selbstbeherrschung, Kontrolle und vernünftige Unterstützung. Und sie verdienen es, abends ohne Pflasterstein im Gesicht nach Hause zu kommen.

Tatsächliche Polizeigewalt muss aufgeklärt werden. Aber erst etwas werfen und anschließend jeden Versuch, einen daran zu hindern, als Unterdrückung verkaufen? Erstaunlich bequemes Geschäftsmodell. Eskalation starten. Video zuschneiden. Moralische Überlegenheit auf Tour schicken.

Und bitte lasst die Pferde da raus. Wenn die öffentliche Ordnung baden geht, möchte ich kein Tier zwischen Feuerwerk und Menschen sehen, die gerade wieder um den Titel „Schlimmste Spezies mit Daumen“ kämpfen.

Dann wäre da noch die politische Begleitmusik.

Laut Berichten über eine Diskussion mit dem Studierendenverband SDS hat Ines Schwerdtner angekündigt, Aktivisten gegen Angriffe durch Polizei oder Medien zu verteidigen. Bevor ich daraus einen Schutzbrief für Randalierer mache, will ich den vollständigen Kontext sehen. Ein Beleg dafür, dass Die Linke Gewalt organisiert, ist das nicht. [3]

Wer solche Solidarität verspricht, sollte die Grenze aber unmissverständlich dazusagen: Friedliche Demonstranten haben eure Unterstützung. Menschen, die Polizisten angreifen oder fremde Existenzen zerlegen, haben sie nicht.

Diesen Satz bitte in die Überschrift. Genauso laut wie den aufregenden Teil.

Sonst darf der eine revolutionär posieren, während die Ladenbesitzerin im November mit ihrer Versicherung über zertrümmerte Scheiben diskutiert. Offenbar führt der Weg zur sozialen Gerechtigkeit direkt durch die Kasse von jemandem, der sowieso schon sechs Tage die Woche arbeitet.

Ich habe keinerlei Geduld mit einer Oppositionspolitik, die öffentliche Wut als Mitgliederwerbung behandelt. Die AfD bekommt von mir keinen Freifahrtschein. Die Linke bekommt auch keinen, nur weil ich einzelne soziale Forderungen teile. Wenn eure Politik dringender Feindbilder als Lösungen braucht, hat sich meine Begeisterung bereits verabschiedet.

Und „Gen Z regelt“? Eine ganze Generation ist kein Telegram-Kanal. Vermutlich hätten genügend junge Menschen gern bezahlbare Mieten, ohne als Statisten in The Fast and the Furious: Teilkaskoschaden aufzutauchen.

Die Proteste haben noch nicht stattgefunden. Polizeiliche Vorbereitung beweist nicht, dass es zwangsläufig Krawalle gibt. Ich hoffe, die Organisatoren halten Wort, die Demos bleiben friedlich und dieser Text altert wie eine ausgesprochen peinliche Vorhersage.

Bitte. Lasst mich übertrieben zynisch aussehen. Damit kann ich leben.

Happy Halloween.

Ich hoffe auf Süßes. Ich fürchte den verdammten Rest.

Bitterer Gedanke des Tages: Wenn euer Plan für eine bessere Gesellschaft damit beginnt, jemand anderem den Alltag zu zerlegen, braucht er vielleicht noch eine Überarbeitung.

Sources / Quellen

  1. Gen Z regelt: demands and non-violence statement / Forderungen und Gewaltverzicht
  2. ntv/AFP, 21.10.2026: police concerns / Warnungen der Polizei
  3. Anadolu, 23.10.2026: support for protests and reported Schwerdtner remarks / Unterstützung der Proteste und berichtete Schwerdtner-Äußerungen

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